Im Wintersemester 2026 widmete sich das Seminar „Zielgruppenübergreifende aktive Medienarbeit – Exkursion in die Boxdorfer Wohnanlage“ der Frage, wie medienpädagogische Projekte in heterogenen Kontexten konzipiert und umgesetzt werden können. Ausgangspunkt war die Annahme, dass Medienbildung für alle gesellschaftlichen Gruppen relevant ist – unabhängig von Alter, sozialem Hintergrund oder individuellen Beeinträchtigungen. Entsprechend lag der Schwerpunkt auf der Entwicklung und praktischen Erprobung aktiver Medienarbeit mit vielfältigen Zielgruppen.
Das praxisorientierte Blockseminar verfolgte das Ziel, Lehramtsstudierende an unterschiedliche Dimensionen schulischer Medienkompetenzförderung heranzuführen und zugleich ihre Sensibilität für heterogene Lern- und Lebenswelten zu stärken. Neben der eigenständigen inhaltlichen Einarbeitung stand insbesondere die Reflexion darüber im Mittelpunkt, wie inklusive und vorurteilsfreie Lernsettings gestaltet werden können.
Den Abschluss bildete der Besuch der Boxdorfer Wohnanlage, einer Einrichtung für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen. Bereits im Vorfeld hatten sich die Studierenden bei einem gemeinsamen Kennenlernen und einer Ideenwerkstatt am Campus Regensburger Straße mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ausgetauscht. Die Studierenden wurden in der Wohnanlage herzlich empfangen – unter anderem mit eigens gebackenen FAU-Muffins – und erhielten zunächst einen Einblick in die Einrichtung und ihren Alltag.

Im Anschluss präsentierten sie ihre entwickelten medienpädagogischen Projekte. Eine Gruppe hatte barrierearme Flyer zur Aufklärung über Scam-Anrufe konzipiert, um insbesondere für digitale Betrugsmaschen zu sensibilisieren. Ein weiteres Team stellte das Konzept „Kulturschlüssel“ vor, das Menschen mit Beeinträchtigungen mit kulturinteressierten Partnerinnen und Partnern zusammenbringen möchte, um gemeinsame Veranstaltungsbesuche zu ermöglichen. Neben konzeptionellen Überlegungen wurde ein erster Prototyp einer Website präsentiert, der die komplexen Anforderungen an digitale Barrierefreiheit anschaulich machte.
Eine dritte Gruppe entwickelte ein Kartenspiel als dialogorientierten „Eisbrecher“, das Vorbehalte zwischen unterschiedlichen Gruppen abbauen und Gesprächsanlässe schaffen soll. Die Teilnehmenden konnten den Prototypen direkt erproben. Abschließend wurde die Idee freiwilliger Kurzporträts im Social-Media-Format vorgestellt, die Bewohnerinnen und Bewohner sichtbar machen und sowohl innerhalb der Einrichtung als auch darüber hinaus neue Perspektiven eröffnen sollen.
Die Bewohnerinnen und Bewohner begegneten den Projekten mit großem Interesse und Offenheit, wiesen jedoch zugleich auf praktische Herausforderungen hin. In einer abschließenden Feedbackrunde, die mithilfe bekannter Smiley-Symbole durchgeführt wurde, wurde das Seminar insgesamt als bereichernd, wenn auch anspruchsvoll wahrgenommen.
Das Seminar verdeutlichte eindrücklich, dass inklusive Medienarbeit sowohl didaktische Sensibilität als auch strukturelle Reflexion erfordert. Zugleich wurde erfahrbar, welches Potenzial in kooperativen, zielgruppenübergreifenden Projekten liegt, wenn sie dialogisch und praxisnah gestaltet werden.
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